
SCHEEßEL/ROTENBURG (November 2025). „Das ist aufregend hier und cool. Es passt einfach.“ Firat Kolay ist seine Begeisterung deutlich anzumerken. Am 1. August 2025 hat er seine Ausbildung zum Packmitteltechnologen bei der Firma August Dönitz Verpackungen in Scheeßel begonnen. Für den 28-Jährigen ein wichtiger Schritt, der auch durch das sogenannte Budget für Ausbildung ermöglich wird.
Firat Kolay ist in Schneverdingen aufgewachsen, besuchte weiterführende Schulen in Soltau. Tiefbau, Bundeswehr, Anlagenmechaniker – sein beruflicher Weg nahm anfangs einige Kurven. Und schließlich führte er im Juni 2023 in den Berufsbildungsbereich der LernWerkStadt der Lebenshilfe Rotenburg-Verden im Hirtenweg in Rotenburg. Von Beginn an interessierte sich Firat Kolay besonders für den Bereich Verpackungen. „Das lief gleich richtig gut“, berichtet er. Und so überlegte er sich gemeinsam mit den Fachkräften und dem Sozialdienst aus dem Berufsbildungsbereich sowie mit Sandra Ropers vom Jobcoach-Team der Lebenshilfe Rotenburg-Verden wie seine weitere berufliche Zukunft aussehen könnte.
Parallel dazu gab es schon seit Jahren eine Zusammenarbeit der Lebenshilfe mit der Firma August Dönitz Verpackungen. „Wir haben bereits mit den Werkstätten – unter anderem mit der LernWerkStadt – zusammengearbeitet“, erklärt Anna-Lena Köhler, Geschäftsführung des Scheeßeler Unternehmens, in dem der Wunsch bestand, die Kooperation auszuweiten – sprich: Könnte ein Mensch mit besonderem Unterstützungsbedarf nicht auch direkt in dem Betrieb vor Ort arbeiten? So wurden Gespräche mit Marco Schwandt, Leiter des Jobcoach-Teams der Lebenshilfe Rotenburg-Verden, geführt und schließlich wurde eine entsprechende Stellenanzeige formuliert.
Und wie es der Zufall wollte, passte die perfekt zu Firat Kolays Interessen und Fähigkeiten. Nach dem ersten Kennenlernen folgten Praktika und Hospitation. Und alle Beteiligten waren sich einig, dass daraus mehr erwachsen sollte. Die Idee: Formell heraus aus dem Berufsbildungsbereich der Lebenshilfe, der in diesem Fall ein wahres „Sprungbrett“ auf den allgemeinen Arbeitsmarkt für Firat Kolay war, hinein in eine reguläre Ausbildung. Das seit 2020 bestehende Budget für Ausbildung half an dieser Stelle weiter. Dieses soll Menschen mit Unterstützungsbedarf nämlich den Einstieg in eine betriebliche Ausbildung erleichtern und eine Alternative zur Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) bieten. Vorbild ist das durch das Bundesteilhabegesetz eingeführte Budget für Arbeit. Im Gegensatz zu jenem zielt das Budget für Ausbildung aber auf die Erstausbildung zum Übergang in den Beruf ab. Gespräche mit dem Leistungsträger, in diesem Fall mit dem Heidekreis, wurden daher geführt und alle Formalitäten unter Dach und Fach gebracht. Der Landkreis übernimmt als Maßnahmenträger die Ausbildungsvergütung und finanziert benötigte Fachleistungsstunden. Jobcoach Sandra Ropers ist während der Ausbildung also Schnittstelle zwischen allen Akteuren und begleitet Firat Kolay in seiner Entwicklung. Wo er Unterstützungsbedarf hat – etwa bei Lernmethoden – entscheidet er selbst. „Es ist sein Budget und er entscheidet darüber“, sagt Sandra Ropers, die sich über die tolle Zusammenarbeit mit der Firma Dönitz freut.
Zur Praxis im Unternehmen gehört natürlich auch die Berufsschule. Die nächstgelegene für seinen Ausbildungsberuf ist in Elmshorn. Der Unterricht läuft blockweise, gewohnt wird in dieser Zeit im Internat, so dass tägliches langes Pendeln entfällt. Der erste Block fand bereits statt, weitere Einheiten folgen im Januar und im Juni.
Firat Kolay freut sich, wie offen und herzlich er bei der Firma Dönitz aufgenommen wurde. 120 Kolleginnen und Kollegen gibt es dort. „Ich kann immer alle fragen.“ Besonders zur Seite steht ihm sein Ausbilder Matthias Baden. „Es ist toll, mit Dir zu arbeiten“, lobt Geschäftsführerin Anna-Lena Köhler den 28-Jährigen. Sie freut sich sehr, wie gut bisher alles klappt. Und sollte es irgendwann doch mal haken, weiß sie, dass sie auch auf die Zusammenarbeit mit Sandra Ropers bauen kann. Bisher aber gebe es keine Probleme.
Maschinen bedienen, Qualitätskontrolle der Paletten, Zusammenbau der Displays – nur einige der vielfältigen Aufgaben, die Firat Kolay Tag für Tag erwarten. Er macht jede einzelne sehr gerne, wie er betont. „Es ist hier ein schönes Miteinander.“ Und so ist er inzwischen in Scheeßel zu Hause, steigt morgens auf sein Fahrrad, radelt zum Betrieb und freut sich auf seine dreijährige Ausbildungszeit.
Foto: Geschäftsführerin Anna-Lena Köhler, Firat Kolay, Ausbilder Matthias Baden und Jobcoach Sandra Ropers (im Bild von rechts) freuen sich, wie gut die Ausbildung läuft
(Text/Foto: Lebenshilfe Rotenburg-Verden/Wibke Woyke)